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Schulassistent Bedho Weldehaimanot: ein Porträt

Als Schulassistent betreut, beaufsichtigt und begleitet Bedho Weldehaimanot Schülerinnen und Schüler. Der Eritreer hat ein gutes Gespür für die Kinder – ganz besonders für jene, die schon Schwieriges erlebt haben.

Cigdem Ruf

Freundlich und etwas schüchtern begrüsst mich Bedho Weldehaimanot. Wir treffen uns im Schulhaus Pünt. Auf Wunsch meines Interviewpartners sind Simone Enzler, Lehrerin im Kindergarten Lot, und DaZ-Lehrerin Franziska Bates-Steck anwesend. Denn Interviews zu geben, ist für den 28-jährigen Eritreer ungewohnt.

Freiwilligenarbeit als Tagesstruktur

Sein Vorname bedeute «Glück», verrät mir Bedho Weldehaimanot. Aber das war nicht immer auf seiner Seite: Vor acht Jahren hat er nach der Flucht aus Eritrea in der Schweiz Asyl beantragt. Es folgten Jahre des bangen Wartens, bis im September 2021 endlich die Arbeitserlaubnis und ein Jahr später die Aufenthaltsbewilligung B eintrafen. Zuvor durfte er keine bezahlte Arbeit annehmen. So leistete er in seiner damaligen Wohngemeinde freiwillig soziale Arbeit und hütete während eines Deutschkurses in Zürich die Kinder der Teilnehmenden. 

Dem jungen Mann war es stets wichtig, eine Tagesstruktur zu haben und so gut wie möglich Deutsch zu lernen. «Vormittags machte ich mich nützlich und nachmittags besuchte ich Gratis-Deutschkurse», sagt er. Aber die deutsche Sprache zu lernen, sei schwierig. Die eritreischen Sprachen Tigrinya, Tigre und Arabisch helfen wenig, aber Bedho Weldehaimanot übt und lernt weiter. 

Der Einstieg als Schulassistent

In seiner Freizeit lernte er Franziska Bates-Steck kennen, und so begleitete er ihre DaZ-Klasse ab und zu bei besonderen Aktivitäten wie einem Zoobesuch oder Kerzenziehen. Manchmal spielte er mit den DaZ-Kindern auch Fussball. «Ich bin oft draussen und bewege mich sehr gerne», sagt Weldehaimanot. Als Bates-Steck eine grosse, anspruchsvolle DaZ-Klasse unterrichtete und der Einsatz einer Schulassistenz dringend nötig wurde, schlug die Schulleiterin Bedho Weldehaimanot vor. Nachdem die Erlaubnis von Abteilungsleiter Bildung Markus Zollinger vorlag, konnte er offiziell als Schulassistent starten. 

«Zuerst beobachte ich, dann setze mich zum Kind und wir reden zusammen.»

Glücksfall für Kinder und Schule

Seit mehr als eineinhalb Jahren steht Bedho Weldehaimanot bei uns im Einsatz. Mit seiner ansteckenden Lebensfreude und seinem zugänglichen Wesen fliegen ihm die Herzen der Kinder zu. Kindergarten-Lehrerin Simone Enzler lobt seine umsichtige Art im Umgang mit den «Chindsgi»-Kindern. In hektischen Momenten bleibe er ruhig und behalte die Übersicht, und gerade zu Kindern, die in ihrem jungen Leben schon schwierige Erfahrungen gemacht haben, finde er einfach und schnell den Zugang. Auf die Frage, wie er in schwierigen Situationen vorgehe, sagt Weldehaimanot: «Zuerst beobachte ich, dann setze ich mich zum Kind und wir reden zusammen.» Manchmal helfen seine Sprachkenntnisse, um bei geflüchteten Kindern Brücken zu bauen und Ängste abzubauen.

Bedho Weldehaimanot hat trotz schwierigen Lebenserfahrungen nie den Mut verloren und sieht in allem etwas Gutes. Diese positive Lebenseinstellung spüren die Kinder. «Das Leben in der Schweiz gefällt mir sehr gut und es ist toll, jeden Tag arbeiten zu können», sagt er. «Doch mein grösstes Glück wäre es, meine Eltern und meine Geschwister wiederzusehen.» 

Was macht die Schulassistenz?

Zurzeit sind an der Primarschule Uster 69 Schulassistenzen tätig. Die Assistentinnen und Assistenten unterstützen und entlasten die Lehrpersonen während des Unterrichts. Sie betreuen und beaufsichtigen die Kinder oder begleiten sie bei Alltagstätigkeiten. Zudem helfen sie bei organisatorischen und administrativen Aufgaben.
Schulassistenzen übernehmen keine Verantwortung, sondern haben ausschliesslich eine Hilfsfunktion. Die Lehrpersonen und Betreuungspersonen sind verantwortlich und leiten falls nötig an. 

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